RLS-DOKTOR
Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) bzw. Ruhelose-Beine-Syndrom, auch Wittmaack-Ekbom-Syndrom genannt, ist eine neurologische Erkrankung mit Gefühlsstörungen und Bewegungsdrang in den Beinen (selten auch in den Armen), häufig einhergehend mit unwillkürlichen Bewegungen. Im Deutschen spricht man von unruhigen Beinen, doch setzt sich auch umgangssprachlich zunehmend die Abkürzung RLS – manchmal aufgelöst zu Rast-Loser Schlaf – als Krankheitsname durch.
Das RLS verursacht in Zuständen der Ruhe bzw. Entspannung in
den Beinen und/oder Füßen (seltener auch in den Armen und/oder
Händen) ein Ziehen, Spannen, Kribbeln, Schmerzen oder sonst wie als unangenehm
empfundene Gefühle. Diese Missempfindungen führen bei den
Betroffenen zu dem unwiderstehlichen Drang, sich zu bewegen,
die Muskeln anzuspannen oder zu dehnen. Die Beschwerden treten meistens –
aber keineswegs ausschließlich – am Abend oder in der Nacht bei
ruhigem Sitzen oder Liegen im Bett auf. Charakteristisch für das RLS
ist die sofortige Linderung durch Muskeltätigkeit, d.h. das Bewegen der
betroffenen Gliedmaßen durch Umhergehen, Kniebeugen, Radfahren, periodisches
Anspannen usw. Die Symptome kehren jedoch nach einer nur kurzfristigen Besserung
für gewöhnlich bereits in der nächsten Ruhesituation unmittelbar
wieder zurück.
Häufige Begleiterscheinungen des RLS sind periodische Zuckungen
der Beine oder Arme im Schlaf (Periodic Limb Movements), ohne dass diese dem
Patienten bewusst sind. Seltener können diese Bewegungen auch
im wachen Zustand auftreten. Diese Zuckungen führen oftmals zu unbemerkten
Störungen des Schlafes durch wiederholtes kurzes Aufwachen (sogenannte
Arousals).„Idealtypisches“, gestörtes Schlafmuster eines
RLS-Patienten (rot). Im Vergleich dazu die Schlafstadien eines Gesunden (blau).
Die quälende Unruhe in den Gliedmaßen und der nicht zu unterdrückende
Zwang, sich (z.B. durch Umherlaufen) zu bewegen, hindert die Betroffenen oftmals
sehr wirksam daran, ein- und durchzuschlafen. Dabei muss sich der Patient
– besonders bei sonst nur leicht ausgeprägten Symptomen –
der eigentlichen Ursache für sein Problem nicht bewusst sein.
Diagnose
Die Diagnose wird oft erst von einem Neurologen gestellt. Bei der Diagnostik
steht die klinische Symptomatik im Vordergrund. Als Werkzeug steht eine validierte
Skala zur Feststellung der Schwere des Krankheitsbildes zur Verfügung
(RLS Severity Scale). Bereits die einmalige Gabe von L-Dopa bessert die Symptome
bei fast allen RLS-Patienten dramatisch, so dass ein Versuch als beweisender
Test dienen kann. In unklaren Fällen ist eine Polysomnographie im Schlaflabor
erforderlich.
Differentialdiagnostisch abgegrenzt werden muss das RLS von der Polyneuropathie,
Radikulopathie, Akathisie, Venenleiden, Wadenkrämpfen (Crampi nocturni),
arteriellen Verschlusskrankheit („Schaufensterkrankheit“), Pruritus
und Einschlafmyoklonien.
Die Begleiterscheinungen des RLS führen sehr häufig zu einer falschen
Diagnose, da die zugrundeliegende Krankheit oftmals nicht gesehen wird. Die
ärztliche Annahme, es läge ursächlich eine psychosomatische
Störung, eine Depression oder Hypochondrie vor, führt zu typischen
langjährigen, durch häufige Arztwechsel geprägten „Patientenkarrieren“,
in denen Suizidversuche oder überflüssige Aufenthalte in der Psychiatrie
vorkommen können.